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Startup Europe Week – is here

3,1 Milliarden Euro: Diese Summe konnten deutsche Startups im vergangenen Jahr von ihren Investoren einsammeln, stellt Ernst & Young in ihrer halbjährlichen Studie fest. Die größte Summe ging mit fast 590 Millionen Euro an den Lieferdienst Deliveryhero, der mit seinen Marken lieferheld.de und pizza.de deutsche Städte und Dörfer plakatiert. Nach der Gründung im Jahr 2011 war dies die dritte Finanzierungsrunde, 130 Mitarbeiter sorgen bereits von der schicken Berliner Mohrenstraße aus dafür, dass Pizzahungrige und Pizzabäcker in Wanne-Eickel, Aschaffenburg oder Cottbus zueinander finden. Ein Börsengang ist im Gespräch, die Banken Goldman Sachs und Citigroup sollen beraten. Und auch die Samwer-Brüder sind beteiltigt.

Vermittelt werden Essen und Kredite

Genau wie übrigens an einem weiteren Winner 2015: Foodpanda aus Berlin mit einem ganz ähnlichen Geschäftsmodell wie Delivery Hero, nämlich der Vermittlung von Essensbestellungen. 193 Millionen Euro gab es dafür, in 40 Ländern sind die Berliner nach eigenen Angaben unterwegs. In Indien allerdings musste man erst kürzlich 300 Mitarbeiter entlassen. Und nochmal Essen auf Rädern: Hello Fresh. Ein geplanter Börsengang ist zwar erstmal geplatzt, dennoch konnte man satte 185 Millionen Euro einsammeln.

Berlin, Berlin, alle gehen nach Berlin: mit 205 Mio. gehen die meisten Euros direkt in die Hauptstadt. Quelle: Ernst&Young, 2016

Berlin, Berlin, alle gehen nach Berlin: 70 Prozent des Investitionsvolumens wanderte direkt in die Hauptstadt. Die Zahl der Berliner Startups, die Geld erhielten, stieg um satte 85 Prozent.  Quelle: Ernst&Young, 2016

Vom Essen zum Geld – und zum Startup KrediTech. Mit den Zweigen Kreditvergabe und Technologie fahren die Hamburger zweigleisig. Ihre Kompetenzen liegen in der Anwendung von Big Data-Technologien und ausgefeilter Algorithmen. Damit macht sich das Unternehmen in jedem Fall für Banken und Finanzdienstleister interessant, auch PayPal-Gründer Peter Thiel ist mit an Bord. Ganz ohne Probleme geht es aber nicht (ein Motocross-fahrender Mitgründer, entwendete Nutzerdaten – und viel Kritik von Daten- und Verbraucherschützern). 255 Millionen Euro frisches Kapital gab es aber im vergangenen Jahr.

Ebenfalls als digitale Banker unterwegs ist das Rocket Internet-Gewächs Zencap. Das Berliner Startup sammelte 230 Millionen Euro ein – und wurde vom global agierenden Wettbewerber Funding Circle geschluckt.

Innovativ sein, nicht bloß Geld verbrennen

Mehr als die Hälfte der investierten Euros ging damit an E-Commerce-Unternehmen, sprich: Online-Handel und so genannte Konsumentendienstleistungen, gefolgt von Finanzdienstleistungen. Die Bereiche Energie, Transport, Industrie schnitten eher unterdurchschnittlich ab. Die Gründe: es gibt natürlich auch mehr Gründungen im E-Commerce. Zudem will die Old Economy unter dem Druck der digitalen Transformation vorrangig in diese Branchen investieren, in denen sie sich digitales Know-how versprechen. So lässt sich strategisch wichtige Expertise leicht hinzukaufen.

Dass es also Geld für Gründer gibt, steht außer Frage. Wenn die fünf größten Winner aber eigentlich nur zweieinhalb unterschiedliche Geschäftsmodelle haben, wie steht es dann um die tatsächliche Innovationskraft der Startup-Szene? Sehr viel besser als man nach der Lektüre der EY-Studie glauben könnte. Gerade im Uni-Umfeld gibt es längst sehr gute Anlaufstellen für Gründer: Think Tanks, Gründerzentren und mehr. Und je nach Ausrichtung der Uni kommen hier handfeste Disziplinen wie etwa die Medizintechnik oder die Ingenieurwissenschaften hinzu. In meiner Heimatstadt Aachen taucht da beispielsweise ein Biotech-Unternehmen auf, das die „Prozessanalytik in Schüttelkolben revolutioniert“.  Es lohnt der Blick in die Nische, der vertikale Ausschnitt, ohne gleich ganze Branchen aus den Angeln heben zu wollen. Innovationsbedarf gibt es auch und gerade in den traditionell wichtigen Branchen Deutschlands.

Anlaufstellen

Und: „Förderung gibt es“, bestätigte mir Daniel Bartel vor einiger Zeit in diesem Interview – und ergänzt: „Aber was dann passiert, ist, dass die Gründerteams ein Jahr lang in ihrem dunklen Keller vor sich hin entwickeln, ohne mit ihren Kunden zu sprechen. Und das genau ist der Fehler.“ Bartel, einer der deutschen Co-Autoren des Startup-Handbuchs, rät, frühzeitig nach draußen zu gehen, mit Kunden zu reden und die Geschäftsidee so immer wieder zu validieren und weiterzuentwickeln. Nebenbei bemerkt bewahrt das wiederum davor, eine bloße me-too-Firma aufzubauen und hilft, stattdessen ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal zu finden und zu bieten.

Jede Menge Hilfestellung dabei bietet die Startup Europe Week, die heute begonnen hat. Auch hierzulande gibt es zu diesem Anlass einige Events: In Leipzig etwa wird über Fördermittelquellen diskutiert, in Frankfurt darf gepitcht werden. Außerdem findet Ihr dort auch einige unserer Bücher.

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*Einsendeschluss: 5. Februar 2016, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Es entscheidet das Los.

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